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Absurde Diskussion: Manipulationsvorwürfe gegen Bauernverband

Ich will es vorweg nehmen: Ich bin NICHT vom Bauernverband beauftragt. Ich bin kein Bauer. Und ich bin mit keinem Bauern verwandt oder verschwägert.

Aber was hier abgeht finde ich einfach hanebüchen. Schon der Beitrag im Spiegel war mehr als fragwürdig. Und jetzt das. Ein Satz wie «Manipulativ und hoch problematisch wird es aber dann, wenn nicht erkennbar ist, dass dahinter ein Verband steckt, der seine Mitglieder zu Äußerungen animiert hat» zeigt einfach nur, dass einige Menschen einfach gar nichts davon verstanden haben, wie Meinungsbildung (im Internet) funktioniert, oder wie Demokratie funktioniert. Ebenso absurd ist ein Kommentar dazu wie «Das ist eine Methode, Missliebige an den Rand zu drängen und mundtot zu machen».

Ein Verband nimmt satzungsgemäß die Interessen seiner Mitglieder wahr. Wenn er nun eben diese Mitglieder in ihrem eigenen Interesse koordiniert, damit sie sich an Debatten im Internet beteiligen - was ist daran “manipulativ und hoch problematisch”? Wenn die Bauern, die in diesem Verband organisiert sind, an der öffentlichen Debatte teilnehmen, dann ist das ihr gutes Recht. Auch dann, wenn sie dazu Hilfestellung bekommen haben. Und wo wird da jemand an den Rand gedrängt oder jemand mundtod gemacht?

“Manipulativ und hoch problematisch” wäre es, wenn der Verband aufgefordert hätte, falsche Informationen zu verbreiten. Oder wenn der Verband Mitglieder gezwungen hätte, sich gegen ihre Meinung zu artikulieren. Oder wenn der Verband Menschen animiert hätte, die in den FOren etwas vertreten sollen, was gar nicht ihr Interesse ist. Oder wenn rund 10.000 Bauern 100.000 Nachrichten posten und damit die Diskussion dominieren.

Aber verdammt noch mal seit wann ist es nicht legitim, Menschen zu aktivieren, sich zu artikulieren? Jede Demonstration wird organisiert. Und auch in der aktuellen Diskussion um “Zensursula” wird animiert und gesteuert was das Zeug hält.

Ich finde es nicht schlau, dass der Bauernverband rät, in den Foren unter Pseudonym zu posten. Wenn ein Bauer authentisch und offen seine Meinung artikuliert ist sie meistens wirkungsvoller. Allerdings ist es alles andere als unüblich, in Foren unter einem Pseudonym zu posten. Und in diesem Fall mag es sogar ratsam sein, weil die ganze Diskussion offensichtlich sehr emotionsgeladen ist. Da muss man sich nicht auch noch persönlich ins Kreuzfeuer begeben. Aber es ist keinesfalls “manipulativ und hoch problematisch” unter Pseudonym zu twittern.

Update: WIe ich gerade festgestellt habe, hat der Bauernverband nicht empfohlen, “unter Pseudonym” zu posten. Klawitter hat hier gelogen, oder halt: falsch zitiert. Der Bauernverband hat in der Rundmail beschrieben wie man sich anmeldet (”private E-Mail-Adresse, meist mit Pseudonym”). Es ist häufig Usus in Foren, dass man häufig ein Pseudonym (oder auch: “Nickname”) angibt.

Dass das mit dem Kreuzfeuer nicht weit hergeholt ist, zeigt folgender Beitrag im taz-Blog: http://blogs.taz.de/saveourseeds/2009/06/15/bauern-task-force_im_internet/. Dort mockiert sich der Autor über meinen Kommentar zum Spiegel-Beitrag von Niels Klawitter und wird dabei persönlich (”eines leicht aufgeschwemmten CEO von talkabout”). Interessant dabei: Der gute Mann (oder Frau?) bloggt unter Pseudonym.

Update: Ach was bin ich erleichtert. Jetzt verstehe ich Vieles! Habe gerade festgestellt, wer sich hinter dem Pseudonym “saveourseeds” verbirgt, unter dem der TAZ-Blogbeitrag veröffentlich wurde. saveourseeds ist eine Initiative “Zukunftsstiftung Landwirtschaft” http://www.saveourseeds.org/impressum.html. Aha. Aus dem TAZ-Blog wird das nicht klar.

Amplifyd from www.ad-hoc-news.de

Transparenz-Initiative - LobbyControl erhebt Manipulationsvorwürfe gegen Bauernverband

Osnabrück (ddp) Die Transparenz-Initiative LobbyControl wirft dem Deutschen Bauernverbandes (DBV) Manipulation von Internet-Foren vor.

Osnabrück (ddp). Die Transparenz-Initiative LobbyControl wirft dem Deutschen Bauernverbandes (DBV) Manipulation von Internet-Foren vor. In einer internen E-Mail sei die Einrichtung einer Internet-Task-Force angekündigt worden, um Diskussionen im Internet im Sinne des Bauernverbands zu beeinflussen und für die Land- und Forstwirtschaft zu werben, berichtet die «Neue Osnabrücker Zeitung» (Montagausgabe). Der Verein, der vor kurzem das PR-Gebaren der Bahn aufdeckte, rücke Vorgehen des Bauernverbands in die Nähe der Bahn-Vorkommnisse.

Das geschäftsführende Vorstandsmitglied von LobbyControl, Heidi Klen, sagte der Zeitung, natürlich könne sich der DBV in Foren äußern. «Manipulativ und hoch problematisch wird es aber dann, wenn nicht erkennbar ist, dass dahinter ein Verband steckt, der seine Mitglieder zu Äußerungen animiert hat». In diesem Fall gehe es offensichtlich darum, «Verbandsinteressen zu artikulieren, die als Bürgerinteressen verpackt werden».

«Entsetzt» über das Vorgehen des DBV zeigte sich Deutschlands größter ökologischer Anbauverband Bioland. «Das ist eine Methode, Missliebige an den Rand zu drängen und mundtot zu machen», sagte dessen Präsident Thomas Dosch.

DBV-Generalsekretär Helmut Born wies die Vorwürfe entschieden zurück. Im Gegensatz zur Bahn nehme der Bauernverband keine Unterstützung dritter Agenturen in Anspruch und setze auch keine finanziellen Mittel ein. Der DBV fordere lediglich seine Mitglieder auf, «sich engagiert in diese Internet-Debatte einzubringen, um diese Diskussionen nicht allein kritischen Gegnern einer modernen Landwirtschaft zu überlassen».

Der Zeitung zufolge ist es laut DBV-Mail Ziel der Internet-Task-Force, «Diskussionen und Meinungsbildung gegen den Bauernverband frühzeitig zu entdecken, aktiv einzugreifen oder selbst auch Themen positiv zu besetzen». Als Beispiele würden nicht nur Internetseiten wie landlive.de, agrarheute.com und topagrar.com genannt, sondern auch «nicht-landwirtschaftliche Foren» wie spiegel.de und taz.de.

ddp.djn/mar

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1 Response

  1. News-Feed 1 – Reputation Management - fuellhaas.com - Online Reputation Management, Personal Branding und Social Media  

    [...] Der Deutsche Bauernverband in der Diskussion Der Deutsche Rat für Public Relations ermittelt gegen den Deutschen Bauernverband wegen „intransparenter Öffentlichkeitsarbeit.“ Der Verband war von LobbyControl scharf angegriffen worden. Wo ist die Grenze zwischen Manipulation und organisierter Meinungsäusserung fragt dazu Mirko Lange. Links: Spiegel Online, Mirko Lange/amplify [...]


    1. Mirko Lange   "Thanks, good find!"

      1. “Es fehlt die Waffengleichheit”. Spickmich-Urteil zeigt massive Probleme professioneller Kommunikation auf | talkabout  

        [...] Anarchie im Netz, Beschränkung bei den Unternehmen. Ich persönlich finde das gut. Auch wenn wir alle lernen müssen, mit dieser Freiheit umzugehen. Die Entwicklung ist rasant, und weder wir als Individuen noch die Strukturen kommen wirklich hinterher. Sorgen machen ich mir über meinen Beruf. Denn den Organisationen ist es verboten, die gleichen Waffen einzusetzen, wie “dem Volk” im Netz. Schüler dürfen – auch polemisch und anonym – Lehrer kritisieren. Lehrer dürfen das nicht tun. “Das Volk” darf sich in der Meinungsbildung organisieren. Wenn das eine Organisation tut, hagelt es massive Kritik, wie zuletzt beim Bauernverband geschehen. [...]




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